Lesezeit: 4 Minuten

UPDATE 06.05.2019
Ich bin seit über fünf Jahren selbständig. Als Grafikdesignerin und Illustratorin.
Zeit für ein kleines Resümee.

Damals bin ich vollkommen unvorbereitet gestartet. Selbständigkeit war Neuland, auch, weil alle anderen in meinem direkten Umfeld angestellt waren. Das einzige, was mir klar war: Den Steuerkram kannst du nicht auch noch alleine machen, geh zu einer Steuerberaterin. Auch für meine Kranken- und Rentenversicherung habe ich direkt gesorgt.

Alles andere habe ich gelernt, indem ich einfach losgelegt habe. Und auch Fehler gemacht habe.
Eigentlich war es nicht viel anders als die gute, alte Achterbahn des Lebens:
Auf und ab mit ein paar Loopings, in denen man sich fragt, wieso man überhaupt eingestiegen ist.

Es gab rechtliche Stolpersteine, (mündliche) Missverständnisse mit Kunden, und Unerwartetes wie Hackerangriffe.
Nicht zuletzt musste ich lernen, mit schwankenden Auftragsphasen umzugehen.

Ich werde also nicht erzählen, dass es leicht ist.
Aber ich bin gerne selbständig. …meistens.
Aber immerhin. Warum?
Ich habe neue Pflichten, aber auch neue Freiheiten.
Ich habe es selber in der Hand, wie ich mit Krisensituationen umgehe und bin ihnen nicht hilflos ausgeliefert. Weil ich immer die eine Frage stelle:
Was könnte schlimmstenfalls passieren?
Die Antwort fällt ziemlich entspannt aus: Solange ich meine Kreativität, einen Kopf zum Denken und zwei Hände zum Anpacken habe, eigentlich nix.

Ich darf mich halt nicht ausruhen. Ständig das eigene Wissen, Können und den Horizont zu erweitern, gehört dazu.
Das dürfte heute aber nicht nur Selbständigen so gehen.
Die klassische, angestellte Karriere gehört der Vergangenheit an. Erlerntes hat eine kürzere Halbwertszeit als früher. Was gestern noch zukunftsträchtig erschien, könnte übermorgen überholt sein.

Und natürlich muss ich immer wieder Zeit in Selbstvermarktung stecken.
Dazu gehört auch dieser Blog. Natürlich hoffe ich, dass jemand von meinen Tipps profitiert, das ist meine Form der Unterstützung. Sonst würde ich das nicht machen. Aber ich möchte dadurch auch sichtbarer und greifbarer werden.
Lasst mich also berichten, was ich damals noch nicht wusste, jetzt aber schon – denn man muss ja nicht alle Fehler selber machen.

1. Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken

Sichtbar werden und gute Kontakte knüpfen braucht Zeit. Das darf man nicht vernachlässigen, selbst wenn es richtig gut läuft.
Spread the word: berichtet regelmäßig von euch, online & offline:
Auf der eigenen Webseite, im Blog, mit Podcasts, Videos – je nachdem, was passt. Hauptsache, ihr fangt an und habt etwas zu erzählen und sorgt dafür, dass ihr authentisch wahrgenommen werdet.
Teilt Inhalte auf Twitter, Pinterest, Instagram, Facebook, Xing, LinkedIn, per Mailing…
Aber entscheidet euch für ein paar Kanäle
, die passen. Alle zu bedienen wird scheitern.

Vernetzt euch online mit Gruppen und schenkt die Aufmerksamkeit, die ihr euch wünscht, auch Anderen.
„Gute“ Kontakte definieren sich übrigens nicht durch bloße Menge und Reichweite, sondern durch Substanz. 
Deswegen ist es noch wichtiger, Leute auch persönlich kennenzulernen. Sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. Das geht klasse auf Veranstaltungen, Business-Essen und anderen Events, bei denen ihr gezwungen seid, Fremde anzusprechen. Wenn man keine geborene Rampensau ist, ist das auch Überwindung, aber es lohnt sich. Veranstaltungen gibt’s reichlich, ihr findet sie unter anderem auf Eventbrite, Xing und in Facebook-Gruppen. 

Irgendwann findet man Netzwerke, die zu einem passen. Trifft Leute immer wieder, kann sich gegenseitig unterstützen und austauschen. Unbezahlbar. Und bereichernd.

2. Vertrauen ist gut, Absicherung ist besser

Ich habe lange Zeit ohne ausformulierte Allgemeine Geschäftsbedingungen gearbeitet. Ich war wirklich naiv, habe nicht darüber nachgedacht. Bis zu Tag X, an dem ein Kunde aus fadenscheinigen Gründen nur einen Bruchteil meiner Arbeit zahlte. Ich hatte auf unser mündliches Gespräch vertraut, es war nicht die erste Zusammenarbeit.  Danach folgte für mich der zeitraubende Gang zum Anwalt. Und die Festlegung meiner AGB.

Auch unabhängig von den AGB sollten geschäftlichen Absprachen und Angebote immer klar definiert sein und schriftlich erfolgen. Das gegenseitige Vertrauen kann noch so groß sein, vor Missverständnissen ist man nie gefeit. Wenn ich mich mit anderen Selbständigen austausche, ist es erschreckend, wie oft ich höre: „Ach stimmt, AGB habe ich noch nicht.“  

3. Überraschung! Hackerangriff

2018 bin ich direkt zweimal damit konfrontiert worden, was Hacker und Online-Betrüger an Zeit und Nerven kosten können.
Meine erste Homepage lief unter meinem ersten Firmennamen „Cate Suhr Design“.
Eines Tages hatte ich den Wunsch nach einer gestalterischen Neuausrichtung. Ich habe dabei auch den Namen in „Klasse Gestaltung“ geändert. Die alte URL catesuhr-design.de brauchte ich nicht mehr, also habe ich sie nicht behalten. Ich dachte nicht, dass jemand anderes Interesse daran hat – wozu auch, wenn man nicht Cate Suhr heißt und Design anbietet.

Umso erstaunter war ich, als ich herausfand, dass einige Monate später die Domain wieder in Besitz und online war. Neuer Inhalt der Seite war ein betrügerischer Online-Fashion-Shop.
Das Schlimmste: Bei der Google-Eingabe meines Namens tauchte dieser Fake-Shop ganz oben auf, noch vor meiner Homepage Klasse Gestaltung und diesem Blog.
Es ist egal, wie eine URL lautet – wenn sie schon mal genutzt wurde und Klicks und Verlinkungen zu anderen Seite hatte, bietet sie Traffic und wird schneller gelistet.

Ich habe den Schlamassel zum Glück relativ zügig abwenden können.
Über denic habe ich herausgefunden, dass der eingetragene Inhaber falsche Angaben gemacht hat. Der Vor- und Zuname war offensichtlich falsch (Elvis Adonis oder so ähnlich), und die Adresse war frei erfunden. Ich habe dann die entsprechende Stadtverwaltung angeschrieben und gebeten, mir zu bestätigen, dass es die Adresse so nicht gibt.
Mit der schriftlichen Bestätigung wiederum konnte ich bei denic die Löschung der Inhaberschaft beantragen.
Jetzt gehört die Domain wieder mir. SO NICHT, FREUNDE!!! 

Viel stressiger war: ich hatte die Sicherheit dieses Blogs schleifen lassen. Ich dachte, für Hacker sei meine Seite belanglos. Das ist Blödsinn, weil die meisten Angriffe automatisch ablaufen (Brute Force Attack) und jede existierende WordPress-Seite ins Visier nehmen, unabhängig von Inhalt oder Reichweite. Weil WordPress jede Menge Schwachstellen bietet, in meinem Fall war es ein Plugin.
Inzwischen habe ich die Sicherheit aufgerüstet und mache regelmäßig Sicherungskopien.
Ein netter Tipp ist auch, die Anmelde-URL neu zu benennen. 

4. Don’t panic

Ich bin inzwischen viel gelassener. Ich freue mich nicht über schlechte Phasen, aber es gibt ihretwegen keine schlaflose Nächte mehr. Statt dessen nutze ich sie produktiv und überlege gezielt, was ich anders oder neu machen kann.

Ich wünsche allen, die den Wunsch und den Mumm haben, sich selbständig zu machen, Energie, Enthusiasmus und Durchhaltevermögen.

Viel Erfolg dabei! Und lasst euch von Abwärts-Phasen und Loopings nicht entmutigen.

Sonnige Grüße, Cate von Klasse Gestaltung

Credits: Foto (edited) von Priscilla Du Preez auf Unsplash

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