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Es ist immer spannend, wenn sich jemand mit einer guten Idee selbständig macht. Dazu gehört Herzblut, jede Menge Mumm und Zuversicht.
Um sich den Kunden vorzustellen, gehört natürlich auch ein Geschäftsauftritt, der das Unternehmen und die Idee dahinter stark präsentiert.

Ich lerne immer wieder frischgebackene Unternehmer*innen kennen, die diesen Punkt zunächst nicht mit einkalkulieren. Weder inhaltlich noch finanziell. 
Das ist leider nicht ganz durchdacht, denn ein maßgeschneiderter Auftritt ist ein Erkennungsmerkmal und garantiert Wiedererkennbarkeit, Abgrenzung von der Konkurrenz und Glaubwürdigkeit beim Kunden.

Geht dir das auch so? Du hast dich als Unternehmer*in selbständig gemacht und die Frage ist nun: 
Wie fange ich an, mein Branding zu gestalten? Was genau brauche ich?

Ich möchte gerne ein paar Grundregeln und Überlegungen für eine solide Basis mit auf den Weg geben. 

Unternehmenskommunikation findet heute zum großen Teil digital statt – Homepage, soziale Medien, Newsletter… – aber auch auf Geschäftspapieren wie der Visitenkarte, dem Angebot oder einem Flyer.
Wichtig ist, dass das Design in der gesamten Kommunikation wiedererkennbar und einheitlich ist.
 

Ein stimmiges Branding, also die Definition des Markenkerns und dessen gestalterischen Umsetzung im Corporate Design, ist ein wichtiger Faktor, auch und gerade für den Start als Gründer*in.

Grundregel 1: Besser kein Logo als ein schlechtes Logo

Das Logo ist wichtiger Teil der Unternehmenskommunikation. Es verdichtet die Unternehmensmerkmale und bringt sie optisch auf den Punkt. Es passt zum Unternehmen und zur Zielgruppe. Wo heute online schnell konsumiert wird, schafft es direkte Wiedererkennbarkeit. Der visuelle Auftritt erhält mit einem Logo eine ganz andere Wertigkeit. Ein gutes Logo lebt von der Konzentration auf das Wesentliche und ist das Herzstück des Corporate Designs. 

Genau deswegen rate ich dringend, im Zweifel zunächst besser ohne Logo aufzutreten als mit einem nicht durchdachten Entwurf vom Fliessband. Denn tritt man mit einem Logo erst einmal auf, ist es schnell auf allen digitalen und analogen Kanälen vertreten und müsste später überall mit einem neuen, besseren Logo ersetzt werden. Das ist aufwändig, unseriös und verwirrt die Kunden.
Außerdem greift hier der schöne Satz: 
„You Never Get A Second Chance To Make A First Impression!“ 
Eine denkbar schlechte Idee ist deswegen auch, selber eines zu entwerfen, wenn man kein Gestalter ist.

Ob man als Unternehmensgründer*in in ein Logo investieren möchte, hängt davon ab, wie viel Bedeutung man dem eigenen Unternehmensauftritt zuschreibt. Das gilt für das gesamte Corporate Design.

Grundregel 2: Erst das Konzept

Um einen einheitlichen Auftritt zu finden, muss eine optische Sprache gefunden werden, die passt und einzigartig ist, um sich von anderen abzuheben.
Bevor allerdings nur überlegt wird, was einem ganz persönlich gefällt, hilft eine Liste mit Fragen, um den Markenkern zu bestimmen. Denn das Konzept soll in erster Linie das Unternehmen repräsentieren, den Kunden ansprechen und deutlich machen, worum es geht. Also erst das Innere definieren, um es dann nach Außen zu zeigen.

Wofür steht das Unternehmen?
Was ist das Alleinstellungsmerkmal?
Wie lautet das Verkaufsargument?
Wer sind die Mitbewerber? Will man ähnlich auftreten oder sich abheben?
Welche Eigenschaften / Werte sollen vermittelt werden?
Wer sind die Kunden? (Alter, Interessen…)
Wie willst du auftreten?

Grundregel 3: Optisch einheitliche Linie

Das Corporate Design besteht neben dem Logo auch aus den Bausteinen Farbwelt, Bildsprache und Typografie.
Diese müssen zum Markenkern passen – und natürlich zueinander.
Weniger ist mehr, weil das Weglassen von Unwichtigem die Information verstärkt.
Zu viele Farben oder Schriften sind nicht vielfältig – sie sind unentschieden.
Klare Linie geht vor! 

Entsättigte Farben und Bilder sind ein mögliches Beispiel für ein gelungenes Zusammenspiel

 Farbwelt:

Die Farbe ist oft das erste, was ins Auge fällt.
Wichtige Überlegungen:
Welche Farben verwenden Mitbewerber?
Welche Aussage soll die Farbe treffen?
Jede Farbe hat eine psychologische Wirkung, löst unbewusst eine Assoziation aus.
Stichworte Color Branding und Farbpsychologie. Ich habe hier auch eine Liste zum Download.

Typografie:

Was passt zum Unternehmen – eine dekorative oder moderne Schrift?
Du solltest bei deiner Suche unterscheiden zwischen einer Schrift, die nur in deinen Headlines vorkommt – diese kann dann z.B. nur aus Großbuchstaben bestehen, einen besonders fetten Schriftschnitt haben oder andere, dekorative Merkmale aufweisen – und du brauchst eine funktionierende Fließtextschrift für lange Texte. Diese muss in erster Linie auch in langen Texten angenehm lesbar sein.

Kostenlose Fonts gibt es wie Sand am Meer. Die Frage ist, ob sie den Ansprüchen genügen.
Prüfe die Schriften, die in Frage kommen, auf Folgendes:
Ist das gesamte Alphabet vorhanden? Gibt es Umlaute, Groß- und Kleinschreibung? Sind alle Satzzeichen vorhanden?
Hat sie unterschiedliche Schnitte? (Fett, kursiv…)
Ist sie, wenn kostenlos, nur für privat oder auch für kommerzielle Zwecke verwendbar?

Bildsprache:

Bilder haben emotionale Kraft und sind unbedingt notwendig.

Alle Bilder sollten eine ähnliche und zueinander passende Bildsprache haben, für einprägsame, harmonische Bildwelten.
Dazu gehört, dass die Farbwelt, der Stil, das Licht und die Perspektive zusammen passen.
Auch hier kannst du wählen zwischen kostenfreien und kostenpflichtigen Fotos.
Obacht: Achte darauf, wie die Lizenzrechte sind. Eventuell gibt es Einschränkungen, wie und wo du sie verwenden darfst. Ich rate grundsätzlich dazu, lieber geringe Kosten für Lizenzen zu zahlen, und damit rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Und: Die kostenlosen Fotos von Plattformen wie Unsplash haben garantiert viele andere auch schon verwendet, damit hebt man sich also nicht mehr ab.

Grundregel 4: Durchziehen

Bleibe der optischen Linie treu und ändere sie nicht ständig.
Konsistenz und Geduld werden sich auszahlen.
Wenn du einige Monate lang regelmäßig in deinem Branding kommunizierst, baust Du Wiedererkennung und Glaubwürdigkeit auf.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Und wenn du dich entscheidest, dir Unterstützung vom Profi zu holen, melde dich gerne bei mir.

Sonnige Grüße, Cate von Klasse Gestaltung

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