Ich bin jetzt seit fünf Jahren selbständig als Grafikdesignerin und Illustratorin.
Zeit für ein kleines Resümee.

Damals bin ich vollkommen unvorbereitet gestartet. Komplettes Neuland, auch, weil alle anderen in meinem Umfeld angestellt waren. Das einzige, was mir klar war: Den Steuerkram kannst du nicht alleine machen, hol dir Hilfe. Bis heute bin ich froh darüber, dass ich mich wenigstens nicht auch noch darum kümmern muss, sondern meine Steuerberaterin. Auch für meine Kranken- und Rentenversicherung habe ich direkt gesorgt, indem ich mich bei der KSK (Künstlersozialkasse) versichert habe.

Alles andere habe ich gelernt, indem ich auch Fehler gemacht habe.
Eigentlich war die Zeit nicht viel anders als die gute, alte Achterbahn des Lebens:
Auf und ab mit unerwarteten Loopings.

Es gab rechtliche Stolpersteine, mündliche Missverständnisse in der Kommunikation mit Kunden, und gänzlich Unerwartetes wie der betrügerische Missbrauch meiner ersten Domain.
Nicht zuletzt musste ich lernen, mit schwankenden Auftragsphasen umzugehen.

Ich werde euch also nicht erzählen, dass es leicht ist.
Ich bin aber trotz des Auf und Ab gerne selbständig. Okay, meistens. Aber immerhin. Warum?
Weil ich es selber in der Hand habe, wie ich mit Krisensituationen umgehe.
Weil ich, wenn es mal gruselig aussieht, immer die eine Frage stelle:
Was könnte schlimmstenfalls passieren?
Die Antwort fällt dann ziemlich entspannt aus: Solange ich noch einen Kopf zum Denken und zwei Hände zum Anpacken habe, eigentlich nix.

Natürlich muss ich immer wieder Zeit in Selbstvermarktung stecken.
Dazu gehört auch dieser Blog. Selbstverständlich hoffe ich, dass jemand von meinen Tipps profitiert, das ist meine Form der Unterstützung. Sonst würde ich das nicht machen. Aber natürlich will ich dadurch auch sichtbar werden.
Lasst mich also berichten, was ich damals noch nicht wusste, jetzt aber schon – denn man muss ja nicht alle Fehler selber machen.

1. Akquise-Pause ist nicht.

Sichtbar werden und Kontakte knüpfen braucht Zeit. Das darf man nicht vernachlässigen, auch wenn es gerade richtig gut läuft. Also erzählt möglichst vielen Leuten von euch und euren wunderbaren Produkten, online & offline: 
Auf der eigenen Webseite, im Blog, mit Podcasts, Videos – je nachdem, was passt. Hauptsache, ihr fangt an und habt etwas zu erzählen und sorgt dafür, dass ihr wahrgenommen werdet. 
Teilt die Inhalte auf Pinterest, Instagram, Facebook, Xing, LinkedIn, per Mailing… 
Vernetzt euch online mit passenden Gruppen und schenkt die Aufmerksamkeit, die ihr euch wünscht, auch Anderen.

Noch wichtiger ist, Leute persönlich kennenzulernen. Sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. Das geht klasse auf Veranstaltungen, Business-Essen und anderen Events, bei denen ihr gezwungen seid, Fremde anzusprechen. Wenn man keine geborene Rampensau ist, ist das auch Überwindung, aber es lohnt sich. Veranstaltungen gibt’s reichlich, ihr findet sie unter anderem auf Eventbrite, Xing und in Facebook-Gruppen. 
Irgendwann findet man Netzwerke, die zu einem passen, dann trifft man Leute immer wieder und tauscht sich regelmäßig aus. Unbezahlbar.

2. Vertrauen ist gut, Absicherung ist besser

Ich habe lange Zeit ohne ausformulierte Allgemeine Geschäftsbedingungen gearbeitet. Ich war echt naiv, habe nicht darüber nachgedacht. Bis zum Tag X, an dem ein Kunde aus fadenscheinigen Gründen nur einen Bruchteil meiner Arbeit zahlte. Ich hatte unserem Gespräch vertraut, es war nämlich nicht die erste Zusammenarbeit. Hätte ich meine AGB zu dieser Zeit schon gehabt, hätte ich verhindern können, dass er mein Werk öffentlich nutzt, bis es bezahlt ist. Denn genutzt hat er es, und das sehr erfolgreich, er hat sogar einen Preis damit gewonnen.

Ich weiß natürlich nicht, in welchem Business ihr tätig seid, aber mir fällt keines ein, wo AGB nicht notwendig sind.  Auch unabhängig von den AGB sollten geschäftlichen Absprachen und Zusicherungen immer klar definiert sein und schriftlich erfolgen. Das gegenseitige Vertrauen kann noch so groß sein, vor Missverständnissen ist man nie gefeit.

3. Böse Überraschungen kommen überraschend

In diesem Jahr bin ich direkt zweimal damit konfrontiert worden, was Hacker oder Online-Betrüger an Zeit und Nerven kosten können. 
Meine erste Homepage lief unter meinem ersten Firmennamen „Cate Suhr Design“. 
Eines Tages hatte ich den Wunsch nach einer gestalterischen Neuausrichtung. Ich habe dabei auch den Namen in „Klasse Gestaltung“ geändert. Die alte URL catesuhr-design.de brauchte ich nicht mehr, also habe ich sie nicht behalten. Ich dachte nicht, dass jemand anderes Interesse daran hat – wozu auch, wenn man nicht Cate Suhr heißt.

Umso erstaunter war ich, als ich herausfand, dass sich einige Monate später die Domain in neuem Besitz befand. Inhalt der Seite war ein betrügerischer Online-Fashion-Shop. Natürlich ohne Impressum & Co. 
Das Schlimmste: Bei der Google-Eingabe meines Namens tauchte dieser Fake-Shop ganz oben auf, noch vor meiner Homepage klassegestaltung.de und diesem Blog. 
Ich lernte also, dass es egal ist, wie eine URL lautet – wenn sie schon mal genutzt wurde und Klicks und Verlinkungen zu anderen Seite hatte, bietet sie Traffic und wird schneller gelistet, das reicht Betrügern völlig.

Ich habe den Schlamassel zum Glück relativ zügig abwenden können. 
Über die Registrierstelle der .de-Domains (denic) habe ich herausgefunden, dass der eingetragene Inhaber falsche Angaben gemacht hat. Der Vor- und Zuname war an den Haaren herbeiphantasiert (Elvis Adonis oder so ähnlich), und die Adresse war frei erfunden. Ich habe dann die entsprechende Stadtverwaltung angeschrieben und gebeten, mir zu bestätigen, dass es die Adresse so nicht gibt. 
Mit der schriftlichen Bestätigung wiederum konnte ich bei denic die Löschung der Inhaberschaft beantragen. 
Jetzt gehört die Domain wieder mir, auch, wenn ich sie nicht nutze.

Dann hatte ich die Sicherheit dieses Blogs schleifen lassen. Ich dachte, für Hacker sei mein kleiner Blog komplett belanglos. Das ist halt Blödsinn, weil die meisten Angriffe automatisch ablaufen und im Grunde jede existierende WordPress-Seite in’s Visier nehmen, unabhängig von Inhalt oder Reichweite. Weil WordPress jede Menge Schwachstellen bietet, in meinem Fall war es ein Plugin. 
Inzwischen habe ich Sicherheits-Plugins installiert und mache regelmäßig Sicherungskopien. 
Ein guter Tipp ist auch, die Anmelde-URL neu zu benennen. Das hat die bis zu 400 täglichen Fremd-Login-Versuche und damit Email-Benachrichtigungen kräftig reduziert.

4. Don’t panic

Das Schöne ist: nach fünf Jahren auf und ab bin ich gelassener. Schlechte Phasen mag ich nach wie vor nicht, aber es gibt ihretwegen weniger schlaflose Nächte.

Ich wünsche allen, die den Wunsch und den Mumm haben, sich selbständig zu machen, dass ihr euren Weg geht.

Viel Erfolg dabei! Und lasst euch von Abwärts-Phasen und Loopings nicht entmutigen.

Sonnige Grüße, Cate von Klasse Gestaltung

Credits: Foto (edited) von Priscilla Du Preez auf Unsplash

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