Ich finde es unheimlich spannend, wenn ich sehe, wie sich jemand mit einem tollen Produkt oder einer guten Idee selbständig macht. Dazu gehört Herzblut, jede Menge Mumm und Zuversicht.
Dazu gehört natürlich auch ein Markenauftritt, der Produkt und Idee angemessen präsentiert – und im besten Fall verkauft.

Ich lerne immer wieder Leute kennen, die in der Gründungsphase zu wenig Kapital einkalkulieren, um dafür jemanden zu engagieren. Gründer*innen, die hoffen, zu Beginn alles alleine zu schaffen.
Das ist leider nicht durchdacht, denn ein maßgeschneiderter Auftritt ist für den Erfolg unerlässlich.
Ein Branding mit Definition des Markenkerns und der gestalterischen Umsetzung in Logo und Corporate Design sollte einem Profi überlassen werden.
Fakt ist aber, es passiert nach wie vor.

Geht dir das auch so?
Du hast dich gerade selbständig gemacht und deine große Frage ist nun:
Wie und wo fange ich an, mein Branding zu gestalten?

Dann möchte ich dir gerne ein paar Grundregeln und Überlegungen mit auf den Weg geben, damit das Schlimmste verhindert wird. Nämlich der Super-Gau: ein nicht-durchdachter, spontaner Markenauftritt.

Ich gebe hier keine Anleitung dafür, wie du als Laie ein Auto baust – aber ich gebe Tipps, wie du für den Anfang auch ohne Auto schneller von A nach B kommst. 😉
Das Ziel ist, dich deinen potentiellen Kunden bekannt zu machen.
Indem du regelmäßig auftrittst. Ob auf deiner Homepage, mit Beiträgen in den sozialen Medien oder auf deiner Visitenkarte:
Du musst wiedererkennbar sein.

Auch ohne Logo würden Briefbogen und Homepage eine Linie haben – durch die Farbgebung

Grundregel 1: Besser kein Logo als ein schlechtes Logo

Ich rate dringend, zunächst lieber ohne Logo aufzutreten als mit einem günstigen Logo vom Fliessband.
Ein Logo muss individuell für deine Bedürfnisse maßgeschneidert sein, und das ist bei Billiganbietern nicht der Fall.
Eine denkbar schlechte Idee ist auch, selber eines zu entwerfen, wenn du darin keine Erfahrung hast.
Also starte besser ohne und gönne dir und deinem Unternehmen ein gutes Logo vom Profi, sobald es möglich ist.
Das gilt für das gesamte Corporate Design.

Grundregel 2: Erst das Konzept

Auch ohne Logo kannst du einen einheitlichen Auftritt hinlegen, der zu dir passt.
Dazu musst du eine optische Sprache finden, die einzigartig ist, um dich von anderen abzuheben.
Und die du durchgehend in allen Medien einhältst.
Bevor du nun mit Vollgas überlegst, was DIR persönlich gefällt, beantworte dir eine Liste mit Fragen, um deinen Markenkern klar zu definieren.
Denn du willst etwas verkaufen – das Konzept soll also in erster Linie den Kunden ansprechen und deutlich machen, worum es geht.
Diese Fragen helfen dir dabei:

Wofür stehst du?
Was ist dein Verkaufsargument?
Was ist dein Alleinstellungsmerkmal?
Wer sind deine Mitbewerber? Willst du ähnlich auftreten oder dich abheben?
Welche Eigenschaften / Werte sollen vermittelt werden? (z.B. naturverbunden, zeitlos, zuverlässig…)
Wer sind deine Kunden? (Alter, Interessen…)
Wie willst du auftreten?

Grundregel 3: Optische Linie

Wenn du deine Antworten hast, überlege, welche optische Linie dazu passt.
Diese sollte aus einer Einheit von Farbe, Schrift und Bildern bestehen.

Wichtig: Triff hier klare Entscheidungen.
Weniger ist immer mehr, wenn es um Design geht.
Zu viele Farben oder Schriften sind nicht vielfältig – sie sind unentschieden.
Klare Linie geht vor!

Wie findest du deine passende Linie?

 

Entsättigte Farben und Bilder sind ein Beispiel für ein gelungenes Zusammenspiel

Farbe:

Die Farbe ist oft das erste, was in’s Auge fällt.
Wichtige Überlegungen:
Welche Farben verwenden deine Mitbewerber?
Welche Aussage soll die Farbe treffen?
Jede Farbe hat eine psychologische Wirkung, löst unbewusst eine Assoziation aus. Informiere dich online darüber. Stichworte Color Branding und Farbpsychologie. Ich habe hier auch eine Liste zum Download.

Schrift:

Schrift muss in erster Linie auch in langen Texten angenehm lesbar sein.
Überlege auch hier: Was passt zu meinem Business?
Möchte ich für die Headlines einen dekorativen oder modernen Font?
Du kannst bei deiner Suche unterscheiden zwischen einer Schrift, die einen Wiedererkennungswert hat und nur in deinen Headlines vorkommt – diese kann dann z.B. nur aus Großbuchstaben bestehen, einen besonders fetten Schriftschnitt haben oder andere, dekorative Merkmale aufweisen – und du brauchst eine funktionierende Fließtextschrift für lange Texte.

Kostenlose Fonts gibt es wie Sand am Meer. Die Frage ist, ob sie den Ansprüchen genügen.
Das musst du selber herausfinden. Prüfe die Fonts, die in Frage kommen, auf Folgendes:
Ist das gesamte Alphabet vorhanden? Gibt es Umlaute? Gibt es Groß- und Kleinschreibung? Sind alle Satzzeichen vorhanden?
Hat sie unterschiedliche Schnitte? (Fett, kursiv…)
Ist sie, wenn kostenlos, nur für privat oder auch für kommerzielle Zwecke verwendbar?

Bilder:

Ohne Bilder ist alles öde.
Bilder haben emotionale Kraft und sind unbedingt notwendig.

Alle Bilder, die du verwendest, sollten eine ähnliche bzw. zueinander passende Bildsprache haben.
Nur so schaffst du harmonische Bildwelten.
Dazu gehört, dass die Farbwelt, der Stil, das Licht und die Perspektive zusammen passen.
Auch hier kannst du wählen zwischen kostenfreien und kostenpflichtigen Fotos.
Obacht: Bei beiden musst du aufpassen, wie die Lizenzrechte sind. Eventuell gibt es Einschränkungen, wie und wo du sie verwenden darfst.

Und natürlich sollte deine Bildwelt, Farbe und Schrift zusammen ein stimmiges Gesamtkonzept ergeben.

Grundregel 4: Zieh es durch

Wenn du dich in allen Punkten entschieden hast:
Zieh es durch!
Bleibe deiner optischen Linie treu und ändere sie nicht ständig.
Konsistenz und Geduld werden sich auszahlen.
Wenn du einige Monate lang regelmäßig in deinem Branding Beiträge erstellst, sei es als Newsletter, auf Facebook, Pinterest oder wo auch immer, wirst du deine Kunden auch erreichen.
Du baust Wiedererkennung und Glaubwürdigkeit auf.

Ich wünsche dir viel Erfolg!
Und wenn du dich entscheidest, dir Unterstützung vom Profi zu holen, melde dich gerne bei mir.

Sonnige Grüße, Cate von Klasse Gestaltung

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