Schön und harmlos sieht sie aus – die Südbrücke bei Sonnenuntergang

Hey zusammen, ich habe in den letzten Tagen viel über diesen Blog nachgedacht. Darüber, wie sinnvoll er ist – für euch UND für mich. Darüber, wieso es mir oft schwer fällt, den Hintern hochzubekommen und ihn mit Inhalt zu füllen. (Also, ähm, den Blog.) Die grundsätzliche Idee ist ja, dass er Gründer*innen beim Start in die Selbständigkeit unterstützen soll… aber mir fehlt da immer noch etwas.

Zum einen sind Grafik- und Marketing-Tipps zwar definitiv sinnvoll – aber wenn es in der Selbständigkeit alleine darum ginge, wie man sich am besten verkauft, wäre es wunderbar einfach. Aber das ist es natürlich nicht.

Und so sitze ich oft da und denke: Käthe, du müsstest dringend wieder einen Beitrag schreiben. Wenn du nicht am Ball bleibst, schläft das Interesse ein, und dann schreibst du nur für dich selber. Aber: Worüber schreibe ich dieses mal? Was hat Mehrwert, welche Info hilft und lässt sich gut erklären? Und vor allem: Wen interessierts?

Und nicht zuletzt: Ist es für MICH interessant genug, immer nur Ratgeberbeiträge zu schreiben? Gerade letzte Montag war es wieder soweit. Ich wusste: ich sollte und müsste. Und bekam doch nicht genug Energie zusammen. Da beschloss ich, einen Break zu machen und bei der schönen Sonne mit dem Fahrrad Einkaufen zu fahren, und dabei die längere Strecke am Rhein zu nehmen. Ich sag mal so: Es lief nicht annähernd wie geplant. Dafür ist eine Geschichte entstanden. Die hat zwar mit Grafikdesigntipps überhaupt nix zu tun – aber mit mir.

Und in dem Moment fiel mir ein, was mir hier fehlt: Abwechslung. Alltag, Existenzkampf, Sorgen, Lustiges, Schönes, Wahnwitziges,  und vor allem: Persönliches.

Ich werde weiterhin sinnvolle Tipps geben, aber nicht nur. Ein reiner Business-Blog, auf dem ich nur als Grafikdesign-Expertin schreibe –  das ist mir zu einseitig. Also gibt es ab jetzt beides – Tipps und Inspirationen, aber auch Alltägliches. Deswegen werde ich euch jetzt erzählen, was aus meinem gestrigen Einkaufsvorhaben geworden ist. Ich nenne es mal:

BESTER MONTAG DER GANZEN WOCHE

Weiter hinten braut sich was zusammen

Heute ist bislang kein guter Tag. Ich sitze im kreativen Tal und kann mich zu nichts aufraffen. Ich muss raus, in die Sonne, in die Luft, und einkaufen! Ich nehme das Fahrrad, dann kann ich die größere Runde fahren und komme so auch mal wieder zum weiter entfernten Aldi. Auf dem Hinweg ist merkwürdigerweise mein üblicher Schleichweg gesperrt. Mit Absperrband vom Ordnungsamt. Kein Schild, keine Info. Also muss ich die weniger schöne Strecke nehmen, biege aber wie geplant vor dem Einkauf Richtung Kölner Rheinwiesen ab, um noch kurz die Sonne auf einer Bank zu genießen. Während der Pause fällt mir auf: Hui, ganz schön dunkel weiter hinten. Vielleicht doch mal rasch den Einkauf starten. 

An der kleinen Kreuzung kurz vor Aldi wundere ich mich über das enorme Polizeiaufgebot. Immerhin hat Aldi heute lose Karotten – Strike! Als ich rauskomme, fängt es schräg von der Seite an zu Schütten. Ich habe kein Regenzeug an und stelle mich deswegen vor dem Eingang unter, um zu warten. Dabei stehe ich direkt neben dem großen Mülleimer. Langsam wird mir kalt, denn inzwischen weht auch ein kräftiger Wind. 

Ein Mann nähert sich, beugt sich über besagten Mülleimer und macht ein „Mmh“-Geräusch, das wie „lecker“ klingt. Dann pickt er einzelne, lose Brocken heraus, die ich aus dem Augenwinkel irgendwo zwischen Hundefutter und Partygarnelen einordne, und steckt sie in den Mund. All das liegt direkt neben einer Windel. Ich bin so paralysiert vor Ekel, dass ich vergesse, ihm einen Apfel anzubieten. Immerhin hört der Regen auf, und ich schwinge mich wieder aufs Fahrrad. 

Zurück an der Kreuzung herrscht inzwischen latentes Chaos – alle Autos biegen um und fahren zurück. Mich beschleicht ein ungutes Gefühl, und ich teile einem Cop meine Beobachtung mit, dass ich weder in die eine noch in die andere Richtung fahren dürfe. Immerhin, das sehe ich richtig. Ich sage: „Sagen sie jetzt bitte nicht wegen Bombe.“ „Doch, natürlich!“ GNAAAH. Seit ich in Deutz wohne ist es das vierte mal in meiner direkten Nachbarschaft, dass eine alte Fliegerbombe gefunden wird. Zwei mal musste ich selber aus Sicherheitsgründen die Wohnung räumen.

Immerhin sehe ich auf dem Plan des Polizisten, dass meine Straße noch in der grünen Zone liegt – nur komme ich da leider wegen der Absperrungen nicht mehr hin. Mir wird nahegelegt, hinten herum über Poll und Kalk zu fahren, mit dem Rad ca. 30 Minuten, wenn man den Weg kennt. Ich kenne ihn nicht, und inzwischen friere ich mir auch langsam den Hintern ab. Es regnet wieder leicht. Also bleibt mir tatsächlich nur ein Weg: ich muss erst rüber auf die andere Rheinseite und dann wieder nach einer größeren Schleife auf meine Seite zurück, um irgendwie nach Hause zu kommen. Die einzig mögliche Brücke von meiner Position aus ist die Südbrücke.

Blöd dabei ist, dass ich aus Erfahrung weiß, dass ich meine alte Möhre alleine nicht die Südbrücke hochkriege, weil Treppenhaus zu steil, Rad zu schwer. Also warte ich, bis ein junger Mann des Weges kommt, und frage einfach. Er trägt mir das Ding liebenswürdig nach oben, während er mich in einer Tour siezt. Der Titel „Supiest Montag ever“ rückt in greifbare Nähe! Als ich oben bin, fängt es wieder am Schütten, inklusive kräftigen Seitenböen. Auf der anderen Seite angekommen fällt mir auch wieder ein, wieso ich diesen Weg nie wieder mit dem Fahrrad genommen habe: Die Treppe nach unten hat nur eine 10cm breite, erhobene Metallrinne, und das Rad dort drin runter zu bekommen verlangt neben Kraft auch Geschick. Wer mich kennt, weiß, dass ich mit beidem in Kombination auf Kriegsfuß stehe. Aber: nach dem ersten Absatz, den ich irgendwie ohne Gelenkbrüche bewältige, rettet mich eine süße, hilfsbereite Schwedin und schleppt die Möhre mit mir gemeinsam runter. Ab hier komme ich wenigstens ohne Hilfe nach Hause. 

Und wie war euer Montag?

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